Innendienst gegen Außendienst? Drei Fragen, die Reibung lösen

Coaching – Barbara Schemel steht mit Tablet vor einer hellen Wand

„Der Innendienst versteht den Kunden nicht.“
„Der Außendienst hält sich an keinen Prozess.“

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Dann liegt das Problem vielleicht nicht dort, wo wir es vermuten. Denn die meisten Konflikte zwischen Innen- und Außendienst entstehen nicht, weil Menschen nicht zusammenarbeiten wollen oder sich doof finden.

Nein, sie entstehen, weil jeder glaubt, der andere müsste doch wissen, was jetzt zu tun ist. Ist doch logisch!

Müsste er wirklich?
Ist es wirklich logisch?

Genau da beginnt die Reibung.

Der Außendienst denkt: Der Kunde wartet. Das muss jetzt gehen.
Der Innendienst denkt: Mir fehlen Informationen. So kann ich nicht arbeiten.

Beide haben recht.

Und genau deshalb bringt die Frage „Wer hat angefangen?“ niemanden weiter.

Aber vielleicht drei andere Fragen schon.

1. Was brauchen Sie von mir, damit Sie Ihren Job gut machen können?

Eigentlich simpel.

Trotzdem reden wir im Arbeitsalltag erstaunlich oft darüber, was andere besser machen sollten, und erstaunlich selten darüber, was andere von uns brauchen!

Der Innendienst braucht vollständige Informationen, klare Anforderungen und realistische Fristen.

Der Außendienst braucht Geschwindigkeit, Verbindlichkeit und Flexibilität, weil Kunden sich nicht an interne Prozessbeschreibungen halten.

Also:

Was brauchen Sie konkret von mir?

Oder noch unbequemer:

Was tue ich regelmäßig, das Ihnen Ihre Arbeit unnötig schwer macht?

Wer diese Frage ehrlich stellt, muss mit einer Antwort rechnen, die vielleicht nicht nur gefällt.

Gut so.

Denn Reibung wird nicht kleiner, indem wir sie ignorieren oder totschweigen. Sie wird kleiner, wenn wir darüber sprechen, Absprachen treffen und uns verbindlich daran halten.

2. Was bedeutet „dringend“?

Eine meiner Lieblingsformulierungen im Vertrieb:

„Können Sie bitte mal schnell? Ich bräuchte das bitte dringend!“

Was heißt das? In 20 Minuten? Heute? Morgen? Bevor der Kunde erneut anruft?

„Mal schnell und dringend“ ist keine Deadline.

Es ist eine Interpretation. Ein Gefühl. Eine Idee. Ein Wunsch.

Und genau deshalb produziert das Wort so zuverlässig Frust.

Statt:
„Ich brauche das dringend.“
lieber:
„Der Kunde wartet. Wenn ich die Information bis 14 Uhr bekomme, kann ich heute noch reagieren. Schaffen Sie das?“

Plötzlich passiert etwas Entscheidendes:
Aus Druck wird eine konkrete Erwartung.
Aus einer Erwartung kann eine Vereinbarung werden.

Und ein klares „Nein, 14 Uhr schaffe ich nicht, aber 16 Uhr“ ist oft wesentlich hilfreicher als ein unverbindliches „Ich kümmere mich“.

Klarheit ist kein Mangel an Freundlichkeit.
Klarheit ist eine der größten Formen von Respekt.

3. Wollen wir das Problem lösen oder einen Schuldigen finden?

Der Kunde wartet.
Etwas fehlt.
Und plötzlich beginnt das firmeninterne Pingpong:

„Ich hatte es geschickt.“
„Bei mir kam nichts an.“
„Das passiert ständig.“
„Sie hätten wissen müssen, dass …“

Kann alles stimmen. Hilft nur gerade niemandem.

Deshalb lassen Sie uns zwei Dinge klar trennen:

Erst lösen.
Dann analysieren.

  • Was braucht der Kunde jetzt?
  • Wer übernimmt?
  • Bis wann?

Und danach sprechen wir darüber, warum es schiefgelaufen ist und was wir beim nächsten Mal anders machen.

Verantwortung bedeutet für mich nicht:
„Wer war schuld?“

Sondern:
„Wer trägt jetzt dazu bei, dass es funktioniert?“
„Wer hilft aktiv mit, dass das Problem zügig gelöst wird?“

Das ist ein gewaltiger Unterschied!

Der Kunde kennt die Zuständigkeiten nicht.

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt.

Der Kunde sagt nicht:

„Mit dem Außendienst war ich zufrieden, nur der Innendienst war schlecht.“

Der Kunde erlebt das Unternehmen.

Eines. EIN Unternehmen!

Keine Abteilungen.
Keine Zuständigkeitsmatrix.
Keine internen Begründungen.

Wenn die Zusammenarbeit funktioniert, erlebt der Kunde Verlässlichkeit.
Wenn sie nicht funktioniert, erlebt der Kunde Reibung.

Und deshalb ist gute interne Zusammenarbeit für mich auch kein Kuschelthema und kein „Soft Skill“.

Sie ist Teil der Customer Experience.

Produkte können ähnlich sein.
Preise können ähnlich sein.
Wettbewerber können technische Features kopieren.

Ein Team, das unter Druck gemeinsam funktioniert, ist deutlich schwerer zu kopieren.

Vielleicht sollten wir deshalb eine Frage streichen. Beim nächsten Konflikt nicht:
„Wer hat recht?“

Sondern:

„Was brauchen Sie von mir, damit wir das gemeinsam lösen?“

Das heißt nicht, dass plötzlich alle einer Meinung sein müssen. Müssen sie gar nicht. Starke Zusammenarbeit bedeutet nicht, keine Reibung zu haben.

Sie bedeutet, die Reibung dort zu nutzen, wo sie hingehört: für bessere Lösungen statt gegeneinander.

Mein Take-away

Innen- und Außendienst müssen nicht immer einer Meinung sein. Aber sie sollten nie vergessen, dass der Kunde nur ein Team sieht.

Und vielleicht ist genau das die entscheidende Frage:

Arbeiten wir miteinander am Kunden oder gegeneinander im Unternehmen?

Barbara Schemel, systemische Coachin für das Gesundheitswesen
Über die Autorin

Barbara Schemel

Systemische Coachin und ehemalige MedTech-Vertrieblerin mit über 20 Jahren Erfahrung. Mit VertriebsWerk³ begleitet sie Teams, Vertriebsteams und Führungskräfte im Healthcare- und MedTech-Umfeld.